CHRISTIAN RUNKELExpert for Career Branding

Podcast · ALLES WIRD · Episode 104

Wie gelingt der Weg aus der Logistik in die Selbstständigkeit?

Folge 104: Der Weg in die Selbständigkeit, zu Gast: Magdalena Ryfa Goers

Zu Gast: Magdalena Ryfa Goers, Gründerin von AGVenesis, zuvor u. a. Senior Project Controllerin bei KION · ca. 40 Minuten

Der Weg in die Selbständigkeit beschäftigt aktuell viele Führungskräfte aus Logistik und Supply Chain Management. In den letzten zwei Jahren hat Christian Runkel mehrere ehemalige Mentees auf genau diesem Weg begleitet, eine von ihnen ist sein heutiger Gast, Magdalena Ryfa Goers. Sie hat im Januar 2026 ihr eigenes Business gegründet, gemeinsam ziehen die beiden nach sieben Monaten ein erstes Fazit. Es geht nicht um die theoretischen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit, sondern um die reale Erfahrung: War der Schritt wirklich realistisch, welche Zweifel gab es, wie kam der erste Kunde, und was würde Magdalena heute anders machen?

Transkript

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von ALLES WIRD, deinem Leadership-Karriere-Podcast für Logistiker. Schön, dass du dabei bist oder vielleicht auch das erste Mal eine Episode hörst! Ja nach einer etwas längeren Sommerpause geht es heute weiter mit einer neuen episode und zwar einer ganz besonderen Karriere Talk Episode. Vor einiger Zeit habe ich mal eine Umfrage auf LinkedIn gestartet mit der Frage, welche Karrierethemen denn von besonders großem Interesse sind und hab da mehrere zur Auswahl vorgegeben.

Das Thema Der Weg in die Selbstständigkeit lag damals an zweiter Stelle. Für mich wenig verwunderlich, denn viele beschäftigen sich aktuell mit diesem Gedanken. So habe ich allein in den letzten zwei Jahren mehrere ehemalige Mentees auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Eine davon ist mein heutiger Gast, Magdalena Ryfa Goers. In unserem Gespräch wollen wir ein sieben-Monats-Fazit ziehen, denn Magdalena startete ihr eigenes Business im Januar dieses Jahres. Wir wollen nicht über die theoretischen Voraussetzung für eine Selbständigkeit sprechen, sondern wollen klären: War der Schritt wirklich realistisch?

Gab es Zweifel zwischendurch? Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, diesen Weg einzuschlagen? Wie kam der erste Kunde? Was würde sie heute anders machen, wenn sie nochmal an den Start gehen würde? Und natürlich die Frage, die sich viele stellen: Kann ich das auch schaffen? Also lasst euch dieses Gespräch nicht entgehen! Ich wünsche dir vor allen Dingen neue Inspirationen für deine berufliche Zukunft. Hallo Magdalena! Ich freue mich außerordentlich, dich heute als Gast bei mir im Podcast begrüßen zu dürfen.

In der Anmoderation zur Episode habe ich die Hörer schon darüber informiert, dass wir uns aus dem gemeinsamen Karrierementoring kennen. Wir wollen aber heute natürlich nicht primär über das Mentoring an sich sprechen, sondern darüber, wie du über das Mentoring sozusagen als Auslöser deine berufliche Zukunft in die Selbstständigkeit gefunden hast. Ich sage nochmal ganz herzlich willkommen, Magdalena, im Podcast! Vielen Dank, lieber Christian. Ich freue mich wirklich außerordentlich, heute hier auf dieser Seite zu sitzen.

Wie ich eigentlich zu dir gekommen bin: Ich war fleißige Hörerin deines Podcasts und habe dann von dem Career Mentoring Programm gehört und war begeistert, jetzt nach diesem Programm, nach dieser Reise mit dir hier sein zu dürfen auf dieser Seite des Mikros. Das freut mich sehr, und ja, ich hoffe, ich bringe ein paar neue Inspirationen für die Hörer mit. Ja, da gehe ich mal davon aus, dass das bestimmt so sein wird, denn dein Weg ist ja ein durchaus spannender.

Um das mal in kurzer Form zusammenzufassen: Ich würde gerne mal deinen beruflichen Werdegang kurz zusammengefasst vorstellen, damit die Hörer sich ein kurzes Bild dazu machen können. Wenn dann danach das ein oder andere nicht so ganz richtig sein sollte, dann bitte nochmal einen kurzen Einwurf von dir, damit wir das richtigstellen können. Also was ich ja feststellen lässt bei dir: Du bist ja schon relativ früh mit einer Ambition zur Selbstständigkeit deinen beruflichen Weg gegangen und hast das gepflegt.

Denn du hast viele Jahre schon als freie Mitarbeiterin in einem ganz anderen Feld gearbeitet, als die Hörer jetzt vielleicht vermuten mögen: Du warst freiberuflich tätig beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, kurz bekannt unter RBB, und zwar im Bereich Public Affairs, PR und Öffentlichkeitsarbeit. Beim Kulturradio vom RBB warst du viele Jahre entsprechend tätig, das hat da schon die ersten Anknüpfungspunkte zu Themen wie CRM, Kundenbindung und Vertriebsunterstützung geschaffen. Und selbst der zweite Weg, der dich so ein bisschen begleitet hat, war auch auf der Schiene der Freiberuflichkeit und Selbstständigkeit.

Da warst du im Feld Event Management und Hospitality tätig, mit Schwerpunkt Automotive, ich glaube auch für BMW, VW, Audi und die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Das hast du auch eine Zeit lang gemacht, und dann hat dich der Weg zu einem Großkonzern geführt, nämlich zu VW im Thema Projektmanagement, wo du einige Zeit tätig warst. Und dann begann dein beruflicher Übergang in die Intralogistik: Du hast beim Unternehmen STILL angefangen, das jeder eigentlich kennen sollte, und hast dich dort über drei Karrierestationen hochgearbeitet, mit einem Schwerpunkt am Anfang im Bereich Controlling und Sales-Controlling.

Und dann warst du in der Konzernwelt in der Weiterentwicklung. Nach über sieben Jahren kam eine Aufgabe als Senior Project Controllerin für den Bereich Sales & Service Controlling bei KION in der Region EMEA, wo du fast vier Jahre tätig warst, und dann kam der Zeitpunkt, an dem du den Podcast gehört hast und dich entschieden hast: Wir müssen mal reden! Und aus diesem Reden ist dann sehr viel entstanden. Ist das so erstmal richtig zusammengefasst, Magdalena?

Oder gibt es von deiner Seite eine Richtigstellung oder Ergänzung? Also das passt alles, soweit bis auf den letzten Punkt, dieses Senior Project Controlling. Das war entsprechend auch im Aufbau der Business Unit Automation, und somit habe ich da die Finanzwelt im Sinne der Automation mit betreut und geschaut, dass der Konzern, der natürlich vom manuellen Staplerbau kommt, im ITS-Segment für die Automation-Projekte startklar gemacht wird. Also die Finanzwelt darauf hin aufgebaut, und somit war das eine Brücke zwischen Finance & Business Development für Automation.

Okay, ja genau richtig, ich erinnere mich, danke nochmal für die Ergänzung und Richtigstellung. Genau so war es! Gut, jetzt wollen die Hörer natürlich wissen: Wie kam jetzt von KION aus der Weg in die Selbstständigkeit? Das wollen wir jetzt ein bisschen beleuchten, näher ins Thema einsteigen. Ich habe das mal so aufgebaut, dass wir zehn verschiedene Headlines oder Meilensteine beziehungsweise Themenfelder jeweils mit einer Frage beleuchten. Die erste Headline würde ich unter dem Aspekt der Wendepunkt bezeichnen: Als wir damals im Karrierementoring zusammensaßen, war Selbstständigkeit zunächst gar nicht dein Favorit und auch gar nicht das Thema.

Kannst du die Hörer nochmal mitnehmen in diesen Moment? Was ging damals so in deinem Kopf vor als wir dann auf das Thema Selbständigkeit gestoßen sind? Du hast vollkommen recht, also bin ich ehrlich: Ich war Selbstständigkeit damals überhaupt nicht auf meiner Prioritätenliste. Wie du gerade erwähnt hast: Nach vielen Jahren bei Konzernen wie Volkswagen, KION und STILL/Linde war mein Denken sehr stark von der Konzernwelt geprägt. Mein Fokus lag eher auf der Frage, welcher nächste Karriereschritt sinnvoll für mich ist, im Sinne von: bei KION oder ITS, KION-ITS, doch lieber die Marken STILL oder Linde.

Und welcher Karriereschritt ist das, mit mehr Verantwortung? Oder eine internationale Rolle außerhalb vom Dach? Es waren auch mögliche lokale Rollen in Polen im Gespräch, oder eine Führungsposition mit größerer Teamverantwortung. Und dann hast du mir im Mentoring die entscheidende Frage gestellt, die für mich erstmal sehr unbequem war und mich zum Nachdenken gebracht hat: Warum suchst du eigentlich nach einer Position, die dir Gestaltungsspielraum gibt, wenn du ihn auch selbst schaffen könntest? Das war zunächst kein angenehmer Gedanke, weil ich natürlich in meiner Konzernbubble unterwegs war.

Eine Festanstellung in einem renommierten Konzern war für mich Sicherheit, Verlässlichkeit und brachte einen klaren Rahmen. Die Selbstständigkeit bedeutete dann plötzlich Verantwortung für alles zu übernehmen. Richtig, genau! Und ehrlicherweise habe ich damals gehofft, dass das Mentoring mir Klarheit über meinen nächsten Karriereschritt im Konzern gibt, und dass dabei plötzlich die Selbständigkeit auf den Tisch kommen würde. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich glaube, das war auch ein bisschen dem geschuldet, dass es schon immer die eine oder andere Idee, aber auch Möglichkeiten und Angebote gab, wir dann aber immer zu dem Ergebnis gekommen sind: Na ja, so richtig passt das dann auch wieder nicht.

Und da war der eine Aspekt, und der andere Aspekt war, mit Verlaub, das, was ich eingangs erwähnt habe. Ich habe einfach auch gemerkt, dass du durch deine früheren Erfahrungen Fähigkeiten und Kompetenzen mitbringst, die man nochmal in eine ganz andere Richtung lenken könnte, die ich im Logistikumfeld noch gar nicht explizit so wahrgenommen habe. Und auf der anderen Seite natürlich auch, dass du schon mit dem Gefühl der Freiberuflichkeit und Selbstständigkeit ein bisschen vertraut warst.

Deswegen kam auch von meiner Seite die Idee, das könnte man doch mal anstoßen, weil ich da einiges sehe, was Magdalena vielleicht momentan bei sich noch nicht so sieht. Ja, und ich bin dir wirklich sehr dankbar darüber, weil rückblickend war das genau der Moment, an dem ich angefangen habe, nicht mehr über den nächsten Job nachzudenken, sondern über die Frage: Wie möchte ich arbeiten? Welchen Wert möchte ich im Markt schaffen? Und die Gründung von AGVenesis ist deshalb eher eine Weiterentwicklung meines beruflichen Weges als ein Bruch mit der Vergangenheit.

Das ist jetzt der Name deines Unternehmens, unter dem Slogan, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, Business Consulting for Automation in Intralogistics. Seit wann bist du jetzt selbstständig unterwegs? Also Anfang des Jahres habe ich mich mit meiner Gewerbeanmeldung selbstständig gemacht, und ganz offiziell beim Notar mit dem Gesellschaftsvertrag war ich dann im Februar, also diese ganzen Formalien, so im ersten Quartal 2026. Also eigentlich noch ganz frisch, aber ich glaube, die genaue Zeit spielt auch keine Rolle bei den Themen, über die wir uns unterhalten wollen, sondern es geht eher um den Weg, wie ich zur Selbstständigkeit gekommen bin.

Und damit würde ich gerne zur zweiten dramaturgischen Stufe überleiten, den größten Zweifeln: Was waren deine drei größten Ängste, als das Thema Selbständigkeit dann doch plötzlich immer ernster wurde? Und welche haben sich davon tatsächlich in gewisser Weise bestätigt, und welche konntest du vielleicht schon in der Zwischenzeit komplett über Bord werfen? Also angefangen: Die größten Ängste, wenn man von einem sicheren Arbeitsverhältnis rausgeht, ist natürlich erstmal das Geld. Meine größte Angst war nicht das Geld, es war auch nicht das Scheitern, weil ich ja so viele Erfahrungen schon mitgebracht habe.

Ich wusste, ich bin anpassungsfähig und habe wirklich viel Background, reagiere flexibel und kenne viele Branchen und Fachbereiche. Die größte Angst war auch, etwas aufzugeben, was ich mir über viele Jahre aufgebaut hatte, denn es waren dann doch die letzten elf Jahre bei einem renommierten Arbeitgeber. Das war die Sicherheit, und das war dieser klare Karrierepfad, den ich mit dir im Mentoring versucht hatte zu verfeinern, im Sinne der Konzernwelt. Und jetzt war da diese Selbstständigkeit, dieser Gedanke, wie ein Lichtblick aufgeploppt.

Also das waren nicht so große Ängste, es waren schon Herausforderungen, und es kamen Fragen auf: Gibt es überhaupt Menschen, die bereit sind, für mein Wissen zu bezahlen? Im Konzern bekommst du viel positives Feedback, wenn du sichtbar bist, aber der Markt da draußen ist ehrlich, dort entscheidet der Kunde, und dann hast du keine bekannte Unternehmensmarke mehr hinter dir. Wie komme ich denn überhaupt in die Sichtbarkeit? Plötzlich bist du selbst die Marke, oder du erschaffst eine neue.

Und interessanterweise hat sich keine dieser Ängste wirklich bestätigt. Die Herausforderungen sind natürlich real, das will ich gar nicht beschönigen, aber die meisten Horrorszenarien finden nur im Kopf statt. Und wenn Angst uns leitet statt uns zu dienen, dann ist es ein schlechter Berater. Angst kann auch etwas Positives bewirken, denn Angst sagt uns, dass wir etwas wichtig erachten oder dass wir an etwas arbeiten dürfen. Weil wir es vielleicht noch nicht so kennen. Deshalb sage ich: Auch wenn die Angst da ist, trotzdem den Mut aufbringen und den ersten Schritt wagen.

Können wir das auch so zusammenfassen: Angst und Zweifel sind zu Beginn bei allem Neuen, was wir angehen, ganz normal. Sie können aber auch sehr gut genutzt werden als Treiber und Motivator in die richtige Richtung. Auch gerade bei dir so zusammenfassen? Definitiv! Du hattest gerade schon ein Thema angesprochen, was dahintersteckt, und die Realität zeigt sich dann später: Gibt es dafür einen Markt, und gibt es dafür einen Käufer? Da kommen wir jetzt zum dritten großen Thema, nämlich die Geschäftsidee.

Ich erinnere mich gut, dass wir über ein Thema gesprochen haben, das ich in jedem Karrierementoring immer so bezeichne. Wenn es um das Thema der Selbstständigkeit geht, nämlich das Leitwort oder der Leitsatz: Business Case beats Business Plan. Viel wichtiger als die Zahlen in einem Business Plan, die, wie wir das von Budgetierungsrunden kennen, oft einer gewissen Fantasie entspringen, ist vielmehr die Frage: Was ist eigentlich mein spezieller Business Case? Wir haben damals gemeinsam dein Geschäftsmodell entwickelt.

Frage dazu: Wann hattest du in unseren Diskussionen das erste Mal das Gefühl... ...das kann tatsächlich so für mich funktionieren? Und was war der Auslöser? Als mir bewusst wurde, dass mein Wert nicht in meinem Lebenslauf liegt, in den einzelnen Punkten des Lebenslaufs, sondern in dieser Kombination meiner Erfahrungen. Du sagst, das war schon zu Beginn klar: Viele Menschen können Logistik, viele Menschen können Vertrieb, viele Menschen können Automation. Aber dieses Paket, diese individuelle Kombination aus Automotive, Intralogistik, Automation, Business Development, Controlling und dem deutsch-polnischen Wertschöpfungskettenwissen, ist deutlich spezieller.

Und genau an diesem Punkt habe ich aus den Gesprächen mit dir verstanden: Ich muss nicht alles für jeden sein, ich muss nur für eine klar definierte Zielgruppe relevant sein. Das haben wir im Mentoring wirklich gemeinsam so gut herausgefiltert, diese definierte Zielgruppe und diese Geschäftsidee. Und daraus hat sich AGVenesis entwickelt. Heute unterstütze ich damit Hersteller- und Technologieanbieter beim Markteintritt, dem Aufbau von Vertriebsstrukturen, Projektcontrolling und der Positionierung im deutsch-polnischsprachigen Raum. Und so habe ich eine echte Brückenfunktion.

Bei der Vorbereitung zu diesem Podcast habe ich mir ein paar Gedanken zu dieser Brücke gemacht und auch mit meiner Familie ein bisschen gesprochen. Und ich meine ganz ehrlich: Diese Brückenfunktion hast du schon als Kind gemacht. Wenn du in deine Kindheit zurückblickst, warst du schon seit der Grundschule das einzige Kind, das die Elternabende ab der ersten Klasse besuchen durfte, weil du quasi die sprachliche Brücke für deine polnischen Eltern warst, die damals noch kein Deutsch sprachen, und ich dann simultan die komplexe deutsche Schulwelt für sie übersetzte und erklärte.

Und auch ihre Fragen an die Lehrer übermittelt habe. Ich habe quasi diese Brückenfunktion jetzt in meine Business-Welt eingebaut. Das finde ich sehr spannend, weil es deutlich zeigt: Wenn wir in die Vergangenheit zurückblicken, bis in die Kindheit hinein, können bestimmte Erlebnisse und Ereignisse uns durchaus prägen und Initiator für neue Wege sein, oder einfach begründen, warum wir uns auf bestimmten Wegen wohlfühlen oder auch unwohl fühlen. Du hast es jetzt gerade schon angesprochen, Magdalena: Das nächste große Thema ist die Marktnische.

Du hast dich bewusst nicht als Beraterin für alles positioniert, das war ja auch ein Thema, wo ich von Anfang an bewusst einen Riegel vorgeschoben habe. Sondern gesagt: Wir müssen etwas definieren, was eine Nische entdeckt und aufdeckt rund um Business Development und Go-to-Market, aber trotzdem die Zielbranche deiner größten Erfahrung, nämlich alles rund um Intralogistik, mit beinhaltet. Kannst du dich noch ungefähr erinnern, wie das war, wo die Initialzündung kam? Ja, das ist es: Das ist meine Marktnische.

Tatsächlich kam das durchs Zuhören, aktives Zuhören, Active Listening. Am Anfang dachte ich, so wie du bereits gesagt hast, ich müsste möglichst viele Leistungen anbieten und die breite Masse ansprechen. Doch genau das Gegenteil war richtig, und je mehr Gespräche ich geführt habe, desto deutlicher wurde: Unternehmen haben häufig dieselben Probleme. Sie haben gute Technologien, sie wollen in den DACH-Markt, einen der Kernmärkte in Europa, oder in den schnell dynamisch wachsenden polnischen Markt, doch sie kennen die Märkte nicht ausreichend, haben keine belastbaren Netzwerke und keine skalierbaren Vertriebsstrukturen.

Und genau dort habe ich meine eigentliche Wertschöpfung erkannt: nicht als Beraterin für alles, sondern als Brückenbauerin zwischen Technologie-, Markt- und Geschäftsentwicklung auf dem deutsch-polnischen Wertschöpfungskettenweg. Das ist nochmal der Begriff Brückenbauerin, ein ganz wichtiger Punkt, auf den ich nochmal kurz eingehen möchte: seine Nische zu finden, aber diese Nische nicht nur für sich selbst zu definieren und dann zu glauben, das passt schon so, der Markt wird das schon brauchen. Das ist noch kein valider Business Case, das hast du genau erkannt.

Das war dein entscheidender Schritt: Jeder Business Case braucht eine Überprüfung, um feingeschliffen zu werden, und dazu brauchte es so etwas wie Marktforschung, nämlich zu gucken, was der Markt tatsächlich braucht, nicht nach eigenem Gusto oder eigener Einschätzung, sondern in Gesprächen mit potenziellen Kunden und Unternehmen herauszufinden, ob man mit seiner Annahme richtigliegt. Das fand ich klasse, dass du es so umgesetzt hast. Darüber hast du dann auch das Gefühl bekommen: Jetzt kann ich meine Nische auch tatsächlich schärfen.

Und jetzt zündet die Idee! Richtig, ganz genau. Da sind wir jetzt schon beim nächsten großen Thema, dem ersten Kunden beziehungsweise den ersten Kunden. Denn viele glauben, der schwierigste Schritt sei wirklich der Weg zum ersten Kunden. Wie bist du an deine ersten Aufträge gekommen? Das ist ja immer das, was die Hörer besonders interessiert. Auch unter dem Aspekt Geld: Wie kommt man denn an die Kunden? Also in meiner Erfahrung war das nicht über Werbung, nicht über Kaltakquise, obwohl ich auch auf der einen oder anderen Logistikmesse unterwegs war, sondern über Beziehung, etwas, das viele unterschätzen.

Mein erster Kunde kam nicht, weil AGVenesis so bekannt ist, sondern wegen meiner Reputation, die ich mir über viele Jahre aufgebaut hatte. Mein Netzwerk aus der Industrie, Automation und Intralogistik war letztendlich der entscheidende Faktor für den ersten Kunden. Das war eine wichtige Erkenntnis: Die Selbstständigkeit beginnt nicht mit der Gewerbeanmeldung im Januar 2026, wie ich erwähnt hatte, sie beginnt Jahre vorher, durch die Qualität deiner Arbeit und durch das Netzwerken. Ja, und das ist ein ganz entscheidender Punkt, den ich auch immer wieder erwähne.

Egal ob du den Weg in die Selbstständigkeit gehst oder den nächsten Karriereschritt auf angestellter Basis: Das Entscheidende ist dein Netzwerk, die Weiterentwicklung des eigenen Networkings. Das ist der entscheidende Punkt für beruflichen Erfolg! Jetzt kommt ja immer so: Der erste Kunde ist da, die ersten Dinge laufen, man gewinnt vielleicht neue Erkenntnisse, aber manchmal kommt dann der Zeitpunkt, an dem einen die nächste große Überschrift einholt, nämlich die Realität. Was hat dich in den ersten Monaten deiner Selbstständigkeit am meisten überrascht, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn?

Oder hat dich eigentlich gar nichts mehr überrascht, weil du so gut vorbereitet warst? Mich hat überrascht, dass die Selbstständigkeit mich flexibel und resilient für diese ganze unsichere VUCA-Welt gemacht hat. Gab es einen Moment, an dem du dachtest, ich höre wieder auf, weil dich irgendein Überraschungsmoment negativ runterzieht? Nein, es gab keinen einzelnen dramatischen Moment, an dem ich alles infrage gestellt hätte. Aber es gab natürlich viele kleine Momente, gerade in den ersten Monaten, die zwischen Höhenflug schwanken: Wow, du hast so eine grandiose Idee, das hat so viel Potenzial, das wird groß.

Oder: Was mache ich hier eigentlich? Habe ich wirklich an alles gedacht? Was ist der nächste Schritt für mich? Ist das nicht alles zu viel? Aber die ehrliche Antwort, ob es so dramatisch war: Nein, natürlich nicht. Ich habe das vorhin schon erwähnt, dass die Selbstständigkeit einen veränderten Blick auf Unsicherheit bringt. In Konzernen wird ja auch ganz viel über Unsicherheit gesprochen, die VUCA-Welt. Aber als Unternehmerin, als Selbstständige, erlebt man sie sehr alltäglich. Und die Frage ist dann nicht mehr, was passiert, wenn etwas schiefläuft oder etwas Unerwartetes kommt.

Sondern: Wie gehe ich damit um? Und genau dort entsteht dann das Selbstvertrauen und die Resilienz, und dann geht es Schritt für Schritt weiter. Ich würde gerne zum nächsten Thema übergehen, obwohl das nochmal eine kleine Brücke in die Vergangenheit schlägt, unter der Überschrift Rückblick, weil das ein ganz wichtiger Punkt ist. Ich erinnere mich auch an unsere Mentoring-Sessions. Wenn du heute auf deine Zeit als Angestellte zurückblickst: Welche Fähigkeiten und Erfahrungen aus deiner Karrierezeit helfen dir heute als Unternehmerin am meisten?

Definitiv die Fähigkeit, Komplexität zu strukturieren. In großen Konzernen hat man sehr viel Komplexität, bei Volkswagen und KION habe ich gelernt, große Organisationen, Prozesse und Stakeholder zu koordinieren, und wie erfolgreiche Unternehmen funktionieren. Das ist heute genauso wichtig. Für mich ist der Unterschied: Früher habe ich innerhalb eines Systems gearbeitet, heute gestalte ich das System mit. Die Selbstständigkeit war für mich der logische nächste Schritt, um dieses Wissen breiter und direkter einzusetzen. Und der Moment, in dem ich mich nicht mehr nur selbstständig, sondern unternehmerisch gefühlt habe, war übrigens nicht mein erster Kunde, den wir gerade besprochen haben.

Sondern es war der Moment, als ich begonnen habe, strategisch über Wachstum, Partnerschaften und Marktpositionierung nachzudenken. Jetzt sind fast acht Monate seit der Gründung vergangen, noch nicht allzu viel, trotzdem die nächste große Frage: Gibt es etwas, was du heute anders machen würdest? Konkret angenommen, du würdest morgen noch einmal bei null anfangen, vielleicht gründest du noch ein Unternehmen. Welche drei Dinge würdest du heute komplett anders machen, wenn es überhaupt drei Dinge sind? Wenn ich heute noch einmal starten würde, würde ich drei Fehler vermeiden.

Das möchte ich den Zuhörern mitgeben, die mit dem Gedanken spielen. Der erste Fehler wäre, zu lange auf Perfektion zu warten. Am Anfang glaubt man oft, man bräuchte erst die perfekte Positionierung, die perfekte Website oder das perfekte Angebot, um zu starten. Aber rückblickend habe ich gelernt, dass viele Antworten erst im Markt entstehen, durch Active Listening, durch die Fragen, die man stellt. Sie sind nicht am Schreibtisch entstanden, sondern über die Gespräche mit potenziellen Kunden.

Die waren viel wertvoller als jede weitere Optimierung meiner Präsentation. Nicht zu lange auf Perfektion warten. Der zweite Fehler wäre, zu breit zu starten. Ich habe anfangs zu lange darüber nachgedacht, was ich alles anbieten könnte. Ich dachte zunächst, je mehr Themen ich anbiete, desto größer die Chance auf Aufträge. Aber es war genau das Gegenteil der Fall: Als ich meinen Fokus auf Intralogistik, Automation, Markteintritt und Business Development im DACH-Raum und Polen geschärft habe, wurde mein Profil klarer und mein Mehrwert für den Kunden greifbarer.

Und heute weiß ich, was Fokus ist, was Vertrauen schafft. Da sind wir wieder genau bei dem Punkt Business Case, das ist wieder die große Überschrift. Das ist sehr wichtig, das kann ich zu hundert Prozent unterschreiben, das sind häufig die größten, aber auch die natürlichsten Fehler, die in jedem irgendwo drinstecken. Und wenn wir nochmal auf das Thema kommen, wie ich an den ersten Kunden gekommen bin, mit dem Netzwerken: Der dritte Fehler wäre, sein Netzwerk zu unterschätzen.

Sichtbarkeit ist etwas, das irgendwann später kommt. Aber Beziehung und Vertrauen, ein belastbares Netzwerk, sind kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil eines Geschäftsmodells. Viele der besten Chancen entstehen nicht durch Kaltakquise, sondern durch Empfehlungen und bestehende Kontakte. Das sind glaube ich die drei wichtigsten Punkte, die man den Hörern mitgeben kann. Danke, dass du das nochmal aus deiner Erfahrung für die Hörer teilst! Ohne dass wir jetzt in Eigenwerbung einsteigen, aber vielleicht kannst du nochmal zusammenfassen: Rückblickend auf das Karrierementoring, viele denken bei Karriere-Mentoring an Bewerbungen schreiben oder den nächsten Job.

Das war ja auch ein bisschen unsere Ausgangssituation. In deinem Fall entstand daraus ein komplett neuer beruflicher Weg, was ich von meiner Seite öfter erlebe. Was war aus deiner Sicht der größte Mehrwert für dich aus diesem Mentoring? Zunächst möchte ich etwas korrigieren: Es ist keine Eigenwerbung, Christian, sondern eine Empfehlung meinerseits an das Programm, an das sechsmonatige Next Level Career Booster Programm bei dir. Wie hat mich das Mentoring beeinflusst, und welchen Mehrwert hat das geschaffen?

Der größte Mehrwert war nicht die Antwort, Selbstständigkeit ist der Weg, sondern der größte Mehrwert waren die Fragen, die du gestellt hast. Viele davon waren unbequem, viele davon hatte ich mir vorher gar nicht gestellt. Aber genau diese Fragen haben mir geholfen, Muster zu erkennen, die ich vielleicht selbst nicht gesehen habe. Das Mentoring hat mir nicht gesagt, Unternehmerin zu werden. Es hat mir aber geholfen zu erkennen, dass Unternehmertum bereits eine mögliche Antwort auf viele meiner Ziele war.

Jetzt bin ich Schritt für Schritt hineingewachsen, und das ist ein großer Unterschied: nicht die fertige Lösung präsentiert zu bekommen, sondern über die Fragen gemeinsam Schritt für Schritt in die Lösung hineinzuwachsen. Zum Abschluss würde ich dich bitten, nochmal eine Botschaft an die Zuhörer zu senden. Stell dir vor: Hört gerade eine Führungskraft oder Spezialistin aus der Logistik oder Intralogistik zu, die selbst seit Monaten über Selbstständigkeit nachdenkt, sich aber nicht so richtig traut? Was würdest du einer solchen Person heute sagen?

Lieber Logistik-Experte, ich bin Magdalena, und ich war vor ein paar Monaten genau an deiner Stelle. Wenn du heute zuhörst und seit Monaten über die Selbstständigkeit nachdenkst, möchte ich dir eines mitgeben. Warte nicht darauf, dass die Angst verschwindet, das wird sie wahrscheinlich nie. Frage dich stattdessen: Welches Problem kannst du lösen, das durch deine Kombination aus Erfahrung, Wissen und Persönlichkeit einzigartig ist? Denn genau dort beginnt Unternehmertum. Unternehmertum ist für mich wie ein Mosaik: Du musst nicht das ganze Bild kennen, du musst nur bereit sein, den ersten Stein zu legen, und mit jedem weiteren Schritt entsteht etwas, was vorher nicht sichtbar war.

Irgendwann blickst du zurück und erkennst, dass genau die Erfahrung, die Zweifel, die Umwege und Erfolge das Bild geformt haben, das nur du erschaffen konntest. Das ist dein persönlicher Blueprint, niemand anderes kann genauso eine Idee in die Selbstständigkeit bringen oder ein Unternehmen gründen. Deshalb: Warte nicht auf Gewissheit, lege den ersten Stein, und das Bild entsteht unterwegs! Das war ein super tolles Schlusswort, ganz herzlichen Dank dafür, Magdalena. Wir sind schon am Ende angekommen.

Ich sage nochmal ganz ausdrücklich herzlichen Dank, Magdalena, dass du deine Gedanken und deinen Weg mit den Hörern geteilt hast. Herzlichen Dank für deine Zeit, ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg mit AGVenesis! Man sieht sich auf verschiedenen Veranstaltungen, und das ist das Schöne. Nochmal herzlichen Dank, weiterhin viel Erfolg und vor allen Dingen Gesundheit. Vielen Dank, Christian. Das war ein weiterer Karriere-Talk zum Thema: Ich gründe als Logistiker mein eigenes Unternehmen. In den nächsten Monaten werde ich das Thema auch im Rahmen eines Karriere-Workshops vertiefen, wann genau weiß ich noch nicht, aber wenn du Lust hast, dabei zu sein, melde dich gerne per Mail oder über LinkedIn.

Ich wünsche dir jetzt einen genialen Tag und denk daran, deine Career Brand macht den Unterschied! Dein Christian Runkel.

Vom Zuhören zum nächsten Karriereschritt.

Die Episoden geben Impulse. Im persönlichen Gespräch entwickeln wir daraus Ihre konkrete Strategie.