Ob acht bis neun Monate für Ihre eigene Situation realistisch sind oder sich die Suchdauer noch verkürzen lässt, lässt sich am besten in einem persönlichen Karriere-Orientierungsgespräch einordnen.
Karriere-Orientierungsgespräch: Ihre Suchdauer realistisch einordnenVor drei Jahren galten sechs Monate Jobsuche als lang. Heute ist das auf Führungsebene der Normalfall. Seit 2018 ist die Zahl arbeitsloser Führungskräfte um 52 Prozent gestiegen, im Jahresdurchschnitt 2025 waren es 49.165 Personen, ein Plus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel gehen laut IAB rund 15.000 Industriestellen pro Monat verloren. Wer in Logistik, Intralogistik oder Supply Chain Management Verantwortung trägt, sollte diese Zahlen kennen, bevor er die eigene Suchdauer plant.
Wie lange dauert die Jobsuche auf Führungsebene wirklich?
Die Suchdauer hat sich gegenüber früheren Jahren verdoppelt. Wer vor drei Jahren noch mit sechs Monaten kalkuliert hätte, sollte heute acht bis neun Monate einplanen. Das gilt besonders für Positionen in Logistik, Intralogistik und Supply Chain Management, wo Führungsebenen zunehmend ausgedünnt werden.
Diese Zahl ist kein Einzelfall aus einem schwierigen Jahr, sondern das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über mehrere Jahre aufgebaut hat. Wer seine eigene Suchdauer noch an älteren Erfahrungswerten ausrichtet, unterschätzt damit systematisch, wie lange der Prozess heute tatsächlich dauert.
Das bedeutet nicht, dass der Wiedereinstieg unwahrscheinlicher geworden ist. Er gelingt weiterhin meistens, aber eben seltener innerhalb der kurzen Zeiträume, die noch vor wenigen Jahren üblich waren.
Für die eigene Planung heißt das konkret: Ein Finanzpuffer, der ursprünglich für sechs Monate berechnet wurde, reicht heute oft nicht mehr aus. Wer diese Differenz frühzeitig einkalkuliert, gerät seltener in finanziellen Druck, der wiederum die eigene Verhandlungsposition in der Suche selbst schwächt.
Warum ist der Anstieg arbeitsloser Führungskräfte mehr als eine Konjunkturschwankung?
Die entscheidende Zahl ist nicht der Anstieg gegenüber dem Vorjahr, sondern die Entwicklung über sieben Jahre: plus 52 Prozent seit 2018. Ein Jahr in eine Richtung ist Konjunktur, sieben Jahre sind eine Verschiebung im System.
Führungsebenen werden ausgedünnt, Leitungsspannen verbreitert, und Positionen werden nach einem Abgang seltener nachbesetzt als früher. Diese drei Entwicklungen zusammen erklären, warum die Zahl arbeitsloser Führungskräfte nicht nur in einzelnen Jahren, sondern im Trend kontinuierlich zunimmt.
Für die eigene Planung ist dieser Unterschied wichtig: Wer auf eine kurzfristige Erholung wartet, wartet auf etwas, das sich aus den Zahlen der letzten sieben Jahre nicht ableiten lässt.
Wer diesen Trend versteht, bewertet auch einzelne Rückschläge in der eigenen Suche anders. Eine Absage oder eine gestrichene Position sind in diesem Umfeld seltener Ausdruck der eigenen Qualifikation, sondern Teil einer strukturellen Verschiebung, die viele Führungskräfte gleichzeitig betrifft.
Welche Folgen hat das für den eigenen Wiedereinstieg?
Der Wiedereinstieg gelingt meistens, aber häufig in einer anderen Position, einer anderen Branche oder einem anderen Gehaltsband als ursprünglich erwartet. Wer diese Möglichkeit von Anfang an einplant, gerät seltener in eine Sackgasse als jemand, der nur eine einzige Zielposition verfolgt.
Das gilt besonders in Kombination mit den rund 15.000 Industriestellen, die laut IAB monatlich wegfallen. Wer ausschließlich innerhalb der eigenen Branche sucht, sucht damit auch in einem Markt, der sich gerade verkleinert, nicht vergrößert.
Ein breiterer Suchradius bedeutet nicht automatisch einen Abstieg. Häufig liegt der eigentliche Wert der eigenen Erfahrung gerade außerhalb der bisherigen Branchengrenzen, dort, wo dieselbe Führungs- und Prozesskompetenz seltener vorhanden ist und deshalb stärker gefragt wird.
Warum verliert man Zeit, wenn man erst mit der Kündigung beginnt, sich zu positionieren?
Wer erst mit der Kündigung anfängt, sich zu positionieren, verbraucht die ersten Monate mit Grundlagenarbeit, die vorher in vier Wochen erledigt gewesen wäre. Diese verlorene Zeit verlängert die ohnehin schon längere Suchdauer zusätzlich.
Genau dieses Muster erlebe ich fast täglich in den Gesprächen zur Karriereorientierung: Wer seine Positionierung, sein Netzwerk und seine Zielrichtung erst unter Zeitdruck klärt, startet die eigentliche Suche mit einem Rückstand, der sich kaum noch aufholen lässt.
Wege aus dieser Lage lassen sich definieren, anhand erprobter Strategien, und die Situation lässt sich mit Zuversicht angehen, statt gegen sie zu kämpfen. Zuversicht ist dabei keine Frage der Haltung, sondern das Ergebnis eines Plans.
Diese Grundlagenarbeit lässt sich auch parallel zum bestehenden Job erledigen, ohne dass davon im Unternehmen etwas sichtbar wird: die eigene Positionierung schärfen, das Netzwerk pflegen und die eigene Marktfähigkeit realistisch einordnen, bevor überhaupt eine Entscheidung über einen Wechsel anstehen muss.