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Karriere-Blog · Neue Wege prüfen

Wie finde ich heraus, welche Führungsrolle in welcher Branche zu mir passt?

Veröffentlicht am 27. Oktober 2026 · Christian Runkel

Viele Führungskräfte melden sich bei mir nicht mehr mit einem konkreten Wechselziel. Sie fragen, ob in ihrem Erfahrungs- und Rollenumfeld aktuell überhaupt eingestellt wird und wie ich die Entwicklung einschätze. In den Standortbestimmungen meines Karriere-Finders zeigt sich dasselbe Bild: die Bitte um Orientierung und um einen Sparringspartner mit Branchenkenntnis. Wer sich ohne Zielbild verändern will, bewirbt sich auf Titel und Rollen, und beide ändern sich gerade schneller als die Aufgaben dahinter. Wer früh beginnt, hat dagegen Zeit für Gespräche, bevor er Unterlagen verschickt. Das Werkzeug dafür sind Rollenhypothesen.

Wie finde ich heraus, welche Führungsrolle in welcher Branche zu mir passt?

Mit Rollenhypothesen. Formulieren Sie drei mögliche nächste Rollen, jeweils nach Funktion, Branche und dem Problem, das Sie dort lösen. Ein Beispiel: Head of Supply Chain im Maschinenbau, wo Planung und Beschaffung zusammengeführt werden. Jede Hypothese prüfen Sie anschließend in Gesprächen, bevor Sie eine Bewerbung schreiben.

Entscheidend ist das dritte Element. Aufgabe und Problemlösung zählen, nicht der Titel. Ein Titel wie „Head of Supply Chain“ bedeutet je nach Branche und Unternehmen etwas anderes, die Aufgabe dahinter lässt sich dagegen vergleichen.

Drei Hypothesen verhindern, dass Sie sich zu früh auf eine Rolle festlegen. Sie sind keine Bewerbungsziele, sondern Annahmen, die Sie prüfen und verwerfen dürfen.

Warum sollte die Orientierung vor der Bewerbung kommen?

Wer sich ohne Zielbild verändern will, bewirbt sich auf Titel und Rollen. Beide ändern sich derzeit schneller als die Aufgaben dahinter. Hilfreich ist es, zwei Fragen zu trennen, die oft vermischt werden: die Orientierung, also welche Rolle in welcher Branche mit welchem Hebel, und die Positionierung, also wie Sie das sichtbar machen.

Viele Führungskräfte arbeiten an der Sichtbarkeit, bevor klar ist, wofür sie sichtbar sein wollen. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge: erst die Orientierung, dann die Positionierung.

Orientierung beginnt mit einer Standortbestimmung: Was können Sie, was wollen Sie, wo steht Ihre Erfahrung im Markt? Darum bitten auch die Führungskräfte, die den Karriere-Finder nutzen, nämlich um Orientierung und um einen Sparringspartner mit Branchen-Know-how.

Wo verschieben sich die Anforderungen an Führungskräfte in Logistik und Intralogistik?

Konsolidierung und Preisdruck verschieben sie. In Übernahmen und Integrationen bleibt eher, wer Kundenbeziehungen, Prozesswissen und Ergebnisverantwortung trägt. Rollen, die vor allem verwalten, koordinieren oder doppelt vorhanden sind, geraten unter Synergiedruck. In der Intralogistik rücken Kostenführerschaft, Service, Automatisierungsprojekte und KI stärker in den Fokus.

Das ist meine Einordnung aus der Oktober-Ausgabe von CREATE LOGISTICS, kein Urteil über einzelne Unternehmen. Wo Logistikunternehmen übernommen und integriert werden, sind Verwaltungsebenen die erste Synergiequelle, Prozess- und Kundenwissen die letzte.

Für Ihre Rollenhypothesen heißt das: Leiten Sie das Problem, das Sie in einer Hypothese lösen, aus diesen Verschiebungen ab. Wer Kosten senkt, Service verbessert oder Automatisierungsprojekte verantwortet, löst ein Problem, das der Markt gerade stellt.

Wie prüfe ich, ob eine Rollenhypothese trägt?

In informellen Gesprächen, bevor Sie Unterlagen verschicken. Fragen Sie Menschen, die die Rolle kennen: „Wie sieht diese Rolle aus Ihrer Sicht in zwei Jahren aus?“ Bitten Sie dabei um eine Vorstellung bei der richtigen Person, nicht nur um Hinweise. Hinweise sind Informationen, eine Empfehlung verschafft Ihnen Zugang zur Rolle.

Das IAB zeigt, wo die Lücke liegt. Laut einer Auswertung im IAB-Forum (Zimmermann und Collischon, Mai 2026) erkundigten sich 55 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen in den vier Wochen vor der Befragung im persönlichen Umfeld nach Stellen. Einem Arbeitgeber vorgestellt oder empfohlen wurden Männer im Schnitt 1,4-mal, Frauen 0,9-mal. Die Daten gelten für alle Jobsuchenden, nicht nur für Führungskräfte. Die Richtung lässt sich dennoch übertragen: Der Unterschied liegt nicht beim Informieren, sondern beim Empfehlen.

Fragen Sie deshalb nicht mehr „Wissen Sie etwas?“, sondern „Wen kennen Sie bei X, und würden Sie einen Kontakt herstellen?“. Reaktivieren Sie außerdem, bevor Sie neu aufbauen. Listen Sie 20 frühere Vorgesetzte, Kollegen, Kunden und Lieferanten auf, mit denen der Kontakt eingeschlafen ist. Schlafende Kontakte sind oft wertvoller als neue.

Warum lohnt es sich, früh mit der beruflichen Neuorientierung zu beginnen?

Weil weniger Mandate über Personalberater laufen und die Suche stärker zur Eigenarbeit wird. Laut BDU hat Executive Search in Deutschland seit dem Hoch 2022 13,5 Prozent verloren. Wer früh beginnt, kann seine Rollenhypothesen in Ruhe prüfen. Wer wartet, konkurriert später mit allen anderen um dieselben wenigen Ausschreibungen.

Der BDU meldet in seiner Studie „Facts & Figures zum Personalberatungsmarkt 2026“ (berichtet von der Personalwirtschaft im August 2026), dass der Markt 2025 das dritte Jahr in Folge geschrumpft ist, auf 2,7 Milliarden Euro. Seit dem Hoch 2022 hat er zehn Prozent verloren, das Kerngeschäft Executive Search 13,5 Prozent.

Ein auf die Logistikbranche spezialisierter Headhunter sagte mir im persönlichen Austausch: „Ich habe gerade mehr wechselbereite Kandidaten als Besetzungsmandate.“ Auch meine Mentees erleben, dass die Anfragen renommierter Headhunter zurückgehen und Prozesse länger dauern: mehr Gespräche, aufwendigere Sondierungen, mehr Assessments.

Behandeln Sie Personalberater deshalb als einen von mehreren Kanälen und planen Sie Ihre Weiterentwicklung so, dass sie auch ohne Anruf von außen funktioniert.